„Ein Garten ist ein lebendiger Ort: Er entsteht aus der Vorstellungskraft seines Schöpfers, doch er schlägt mit einem eigenen Herz.“

Im Gespräch mit Franz von Pfeil, der die Gärten im Kränzelhof gemeinsam mit seiner Frau Stephanie gegründet hat, bleiben viele seiner Worte nachhaltig im Gedächtnis haften. Die Gärten, die direkt an das familieneigene Weingut anschließen und sich heute über zwei Hektar erstrecken, beherbergen zahlreiche Skulpturen und Kunstinstallationen im Freien.
Wir befinden uns in Tscherms, einem kleinen Ort nahe Lana, in dem die Vegetation – wie im gesamten Meraner Becken – dank der besonderen Verbindung von alpinem und mediterranem Klima ausgesprochen üppig und abwechslungsreich ist. Die Freude über das Erreichte sowie die Leidenschaft und Begeisterung für seine „Schöpfung“ sind in den Worten von Franz von Pfeil sofort spürbar und wirken geradezu ansteckend anlässlich dieses besonderen Jahres, das sich ereignisreich und festlich ankündigt. Die Gärten im Kränzelhof, die 2006 eröffnet wurden, feiern ihr zwanzigjähriges Bestehen – mit neuen Kunstwerken, Projekten und Visionen für die Zukunft.

Die Geschichte des Kränzelhofs selbst ist wesentlich älter. Seit 1968 wird der traditionsreiche Hof, der auf das 14. Jahrhundert zurückgeht, von der Familie von Pfeil bewirtschaftet. Im Jahr 1981 begann der junge Winzer Franz, Weine zu produzieren, die in Eichenfässern ausgebaut werden – ein Markenzeichen, das seine Weine bis heute prägt. Anfangs wurden auf dem kleinen Hof auch Äpfel angebaut, doch von Pfeil entschied sich, seine ganze Aufmerksamkeit einer einzigen Kultur zu widmen: dem Wein, der handwerkliche Präzision und kreative Freiheit in sich vereint. 1986 wurde die historische Mühle des Kränzlhofs in ein Gasthaus umgewandelt, aus dem 2011 das heutige Restaurant Miil mit der Küche von Othmar Raich hervorging und vor kurzem durch das Bistrot Essbar ergänzt wurde: Zwei Orte, die sich der kreativen regionalen, saisonalen und biologischen Gastronomie widmen.
Der Kränzelhof ist also ein Ort, an dem vielfältige Leidenschaften zusammenkommen, die sich der Gastfreundschaft und Lebensfreude widmen: von Weinanbau über Gastronomie und Kunst in der Natur bis hin zur Gartenkultur. Historisch betrachtet gelten Gärten als Orte, an denen die Schönheit der Natur besonders hervorgehoben und gewürdigt wird. Räume, in denen die Vegetation von der Vorstellungskraft und Kreativität des Menschen und nach präzisen ästhetischen und kulturellen Vorstellungen geformt wird. Man denke etwa an die italienischen Gärten der Renaissance, geprägt von Ordnung und Symmetrie, in denen die Natur vom Menschen kontrolliert wird und sowohl Harmonie als auch Rationalität verkörpert. Ganz anders präsentieren sich die englischen Landschaftsgärten des 18. Jahrhunderts, in denen die Natur freier und spontaner wirkt, mit verschlungenen Wegen und Landschaften, die Emotionen erwecken und zum Innehalten einladen. Genau an diesen ikonischen „grünen Schätzen“ orientieren sich die Gärten des Kränzelhof seit nunmehr zwanzig Jahren.

„All die Jahre sind wie im Flug vergangen, trotzdem fühlt sich jeder Tag wie ein Neuanfang an“, erzählt Franz von Pfeil. „Unser Wunsch ist es, unsere Besucher:innen bei jedem ihrer Aufenthalte zu überraschen, zu berühren und ihnen Freude zu bereiten”. „Jeder Moment ist anders als der vorherige“, betont er und ergänzt: „Bäume, Wiesen und Installationen treten in einen lebendigen Dialog und verändern sich im Licht und mit den Jahreszeiten.

Die Künstler:innen sind mit ihren Werken Teil des Gartens und die Besucher:innen, die in diese Umgebung eintauchen, können die Emotionen spüren, die ihre Werke auf natürliche Weise vermitteln.“
Anders als in einer Galerie, wo Kunst mitunter distanziert, allzu intellektuell oder sogar abweisend wirken kann, findet die Schönheit hier eine spontane Ausdrucksform. Sie überrascht, weckt die Sinne und ermöglicht es den Besucher:innen, mit ihren eigenen Emotionen in Kontakt zu treten. Jede:r kann hier seinen persönlichen Herzensort zum Verweilen finden oder einen persönlichen Lieblingsweg zwischen Licht und Schatten, dichter Vegetation und offenen Räumen entdecken.
Die Gärten sind in sieben Bereiche unterteilt, inspiriert von den sieben Chakren des Hinduismus, mit Themen, die unterschiedliche Aspekte des Lebens berühren: Vertrauen, Emotion, Mut, Herz und Liebe, Ausdruck, Intuition und Bewusstsein. Es gibt auch Elemente des Wassers und verborgene Wege, wie etwa das Heckenlabyrinth, eine permanente natürliche Installation die nicht nur unter den jüngsten Besuchern die Fantasie anregt und Freude und Staunen erweckt.
„Einige der permanente Werke sind so tief in die Landschaft integriert“, ergänzt von Pfeil, „dass sie wie Tätowierungen auf der Oberfläche der Natur wirken. Der gesamte Garten ist eine große Installation, eine Skulptur, die mit uns atmet und wächst.“
Im Rahmen des Jubiläums wird in den Gärten des Kränzelhof eine Ausstellung zum Thema Weiblichkeit gezeigt, in der jede Künstlerin und jeder Künstler seine Sicht auf das Weibliche ausdrückt, so der Gründer, ohne all zu viel zu verraten. Die Ausstellung wird im Frühjahr 2026 eröffnet und bis November zu sehen sein. Die neuen Werke werden dafür auf Wiesen und Wegen und zwischen den bestehenden Installationen platziert. Ein Kuratorenteam wählte dafür lokale und internationale Künstler:innen aus. Besonderes Augenmerk gilt dabei jungen und aufstrebenden Talenten, die oft Schwierigkeiten haben, im Kunstbetrieb Fuß zu fassen, und die in den Gärten des Kränzelhofs einen einzigartigen Ort für ihre kreative Arbeit finden und an dem sie frische Ideen und neue Impulse einbringen können.
Bereits 2025 endete mit einer bedeutenden Gedenkausstellung mit dem Titel „fort und fort träumen…“, die dem Werk des Lananer Bildhauers, Zeichners und Kupferstechers Michael Höllrigl (1936–2024) gewidmet war. Möglich wurde die Ausstellung mit Unterstützung des Kulturvereins K.art. Für die Zukunft ist zudem ein neues Gebäude geplant, das 2027 entstehen und das „Herz-Chakra“ symbolisieren soll. Das Gebäude selbst wird ein Kunstwerk im Landschaftsraum sein und Ausstellungen und Veranstaltungen beherbergen.
„Unsere Besucher:innen sollen immer etwas Neues und Unerwartetes entdecken, das ihnen Freude bereitet“, schließt Franz von Pfeil. „Letztlich ist es genau das, wonach ich in all meinem Tun strebe – vom Weinbau über die Pflege der Gärten bis zur Aufwertung des historischen Familienguts: Freude schenken und Momente des Miteinanders schaffen, die, wie ein guter Wein, noch lange nachklingen dürfen.“