Deutschland, Südtirol und Großbritannien: drei sehr unterschiedliche Orte, Sprachen und Landschaften, zwischen denen du aufgewachsen bist. Wie spiegeln sich diese Erfahrungen in deiner künstlerischen Arbeit wider?
Durch das Aufwachsen an verschiedenen Orten ist die Welt für mich ein bisschen kleiner und dadurch antastbarer geworden, gleichzeitig gibt es aber keinen geografischen Ort, bei dem ich sagen kann, dass es mein Zuhause ist. Bis jetzt hat sich jeder Ort eher flüchtig und oft nicht ganz greifbar angefühlt, was im Bezug zu meiner Arbeit auch Sinn macht, wo ich mir viele Gedanken um Vergänglichkeit und Übergänge mache. Die vielen neuen Anfänge haben mir die Fähigkeit gegeben, in Situationen sehr anpassungsfähig zu sein. Durch meine Arbeit wiederum versuche ich oft das Gegenteil zu tun.
Um Sehnsucht, Entfremdung und intuitive Erinnerung geht es auch in deiner Ausstellung We Go Where We Never Belonged. Was bedeutet Zugehörigkeit für dich – als Mensch und Künstlerin?
Das Projekt ist während einer depressiven Episode entstanden, die mich letztes Jahr vier Monate lang begleitet hat. In dieser Zeit fühlte es sich an, als wären alle Stricke zu Familie und Freunden gekappt worden und ich würde im Nichts treiben – ohne Richtung, ohne zwischen oben und unten unterscheiden zu können. We Go Where We Never Belonged wurde so zu einem Prozess, mich wieder in meinem Körper zu sammeln und mich erneut mit meinem Leben verbunden zu fühlen. Gleichzeitig stellte sich die Frage, wie ich die automatische Zugehörigkeit des Frau-Seins, die so oft im Kontext des männlichen Blicks steht, ablehnen kann. Wenn Frau vor allem in Bezug zum männlichen Subjekt definiert wird, nimmt man ihr den Raum, mit sich selbst in Verbindung zu treten; wenig bleibt, um den eigenen Körper wirklich als den eigenen zu erleben. Ich hoffe, dass ich mich als Mensch in Zukunft immer zu jemandem oder etwas zugehörig fühlen werde – und dass die Leere des letzten Jahres nicht zurückkehrt. Meine künstlerische Praxis besteht darin, mich kritisch von dieser zugeschriebenen Zugehörigkeit zu distanzieren und einen Raum des Dazwischen zu schaffen: fernab des direkten männlichen Blicks, ein Raum, in dem der Körper zugleich Begrenzung und Auflösung ist – ein Ort der Vermischung, Fluidität und Durchlässigkeit.
„Die vielen neuen Anfänge haben mir die Fähigkeit gegeben, in Situationen sehr anpassungsfähig zu sein.“
Wie entsteht in deiner Arbeit der Übergang zwischen Körper und Objekt, Nähe und Distanz – vom Persönlichen zum Materiellen, vom Subjekt zur Skulptur?
Ich sehe den Körper im Gegensatz zum cartesianischen Geist-Körper-Dualismus nicht als passives Gefäß, sondern als einen aktiven dynamischen Ort gelebter Erfahrung. In meinem Projekt erkundige ich die körperlichen Erfahrungen und Wahrheiten meiner selbst, dadurch aber automatisch auch die der Menschen, die mir am nächsten sind. In dem Prozess der Selbsterforschung und dem Versuch der emotionalen Befreiung, spielte ich mit verschiedensten Materialien und Medien, wodurch sich mein Selbst erweitern konnte. Teile von mir, durch die ich sozial konditioniert war, nicht zu fühlen, nicht zu sagen, leben in meinen Arbeiten, aber auch in den Beziehungen weiter, die mir so viel wert sind. Die Spuren des abwesenden Körpers in meinen Arbeiten macht den Körper nicht statisch, nicht steuerbar und daher auch nicht konsumierbar.