Von antiken Mythen über Volksmärchen bis hin zu literarischen Assoziationen begleitet der Apfel die Menschheit durch die Jahrhunderte.
Abseits aller Symbolik beginnt unser Besuch buchstäblich mit einem Blick nach unten – auf den Boden. Der Grund dafür liegt darin, dass das Etschtal, bevor es zu einer der strukturiertesten und meistfotografierten Agrarlandschaften Europas wurde, ein Sumpfgebiet war, geprägt von den regelmäßigen Überschwemmungen des Flusses und der Gebirgsbäche. Zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert veränderten wasserbauliche Maßnahmen zur Regulierung der Etsch sowie groß angelegte Trockenlegungsprojekte die Landschaft grundlegend. Und so macht das Museum eine oft vergessene Wahrheit sichtbar: Die heutige „natürliche“ Landschaft ist in Wirklichkeit das Ergebnis bewusster Entscheidungen und jahrzehntelanger, geduldiger Arbeit. Was letztlich den Unterschied macht, ist jedoch stets dasselbe: die Menschen. In Südtirol ist der Obstbau vor allem Familiensache. Rund 7.500 überwiegend kleine Betriebe bewirtschaften Obstanlagen, die selten größer als zweieinhalb Hektar sind. Hier wachsen die Äpfel im Rhythmus der Jahreszeiten, begleitet von wiederkehrender Arbeit und einem Wissen, das nicht aus Büchern stammt, sondern über Generationen weitergegeben wurde. Das Museum erzählt vom Alltag dieser Menschen, ohne ihn zu verklären, und zeigt Werkzeuge, Gegenstände und Gewohnheiten, die allesamt von harter Arbeit, Geduld und stetiger Fürsorge zeugen.
Der Ort, der das Museum beherbergt, trägt zu dessen besonderem Charme bei: Es befindet sich auf dem Larchgut, einem eleganten Anwesen der Grafen von Brandis, das auf das Jahr 1301 zurückgeht. Zwischen jahrhundertealten Mauern und geschichtsträchtigen Räumen finden landwirtschaftliche Geräte und Zeugnisse des Obstbaus ein Zuhause, das wie geschaffen ist, um das Gedächtnis einer ganzen Region zu bewahren. Dass sich das Museum in Lana befindet, ist kein Zufall, ist Lana doch die wichtigste Apfelanbaugemeinde Südtirols.